Trampen (Hitchhiken)

Die erste Tramperfahrung in Indien habe ich mit Mickey in Jhansi gemacht. Wir sind ein paar Kilometer aus der Stadt rausgelaufen und haben, wie ich es aus Filmen kenne, den vorbeifahrenden Fahrzeugen ein Pappschild mit der Aufschrift "AGRA" entgegengestreckt.

Videoanekdote

Zuerst hat uns ein Taxi ein paar hundert Meter mitgenommen, da es ein Kommunikationsproblem gab und wir dachten, es wäre ein privates Auto. Ich hatte nicht auf das Kennzeichen geachtet. Diese geben Aufschluss über die jeweilige Nutzung der Fahrzeuge, ob kommerziell, privat oder amtlich. Danach hat uns ein Truck noch ein paar Kilometer weiter mitgenommen, aber er ist dann abgebogen und wir haben uns dann auf die Suche nach einem weiteren Truck gemacht. Diesmal haben wir ein Schild mit "DATIA" hochgehalten, da scheinbar nicht alle direkt nach Agra fahren, also wollten wir wenigstens eine Teilstrecke schaffen. Uns haben Locals dann "DATIA" in Hindi übersetzt und so haben wir prompt einen Truck gefunden. Dieser hat uns dann wieder ein paar Kilometer mitgenommen und uns bei einem Stopp einen anderen Truck organisiert, der nach Gwalior fährt. Jetzt sitzen wir in dem Truck und wie es scheint, fährt dieser sogar bis nach Agra durch, hoffentlich habe ich das aus der Zeichensprache richtig interpretiert.

Das ganze hat sich bis jetzt mehr und mehr verbessert, von extrem wenig Platz bishin zu unserem sehr großzügigen Platz jetzt, der wohl der Schlafplatz des/der Fahrer/s ist (könnt ihr in meinem Indien Teil 2 Video sehen).

Kabinensharing

Da das soweit meine erste Tramperfahrung ist, empfehle ich jedem, der das in Indien machen will, sich direkt an den "Highway" zu begeben und die großen Trucks zu fokussieren. Unserer bringt z.B. eine Mordsladung an Früchten nach Delhi und auf dem Lieferschein, den der Fahrer mir gezeigt hat, ist das Datum der Abfahrt zwei Tage vor heute. Das bedeutet, sie fahren schon eine ganze Weile und sind glaube ich recht froh, ein paar Backpacker mitzunehmen, um Abwechslung in der Kabine zu haben.

Fruchttruck

Obwohl uns bei unserer Suche nach einer Mitfahrgelegenheit immer und immer wieder Scharen von Indern umgaben, die sagten, wir müssen zurück und den Bus nehmen, da hier keine privaten Autos fahren, rate ich jedem, der vor hat in Indien zu trampen, hartnäckig zu bleiben. Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass Geduld und Hartnäckigkeit sich in Indien auszahlen. Einfach den Scheuklappenblick aufsetzen und stur weitergehen, auch wenn sie Dich verfolgen.

 

 

 

Nachtrag:

 

Wir haben versucht, von der Bushaltestelle in Rishikesh zum nächsten Ort namens Ram Jhula zu kommen und hatten keine Lust, ein TukTuk zu bezahlen. Deshalb versuchten wir unser Glück wieder mit Trampen. Diesmal haben wir einen Mann erwischt, der sich im Nachhinein als Reinfall entpuppte. Er nahm uns mit, fuhr aber weiter, um uns in (angeblich) sein Hotel zu locken. Nach endlosen Diskussionen hat er uns dann zum eigentlich gewünschten Ort gebracht, und dann kam der Knüller:

Er wollte Geld. Das hat eine heiße Diskussion entfacht und Mickey hat ihren Finger aus Bedenken dauerhaft am Auslöser ihres Pfeffersprays gehabt. Wir haben natürlich nicht nachgegeben, denn das ist die falsche Art, Trampen zu interpretieren. Er wollte 100Rupien, ich habe zugestimmt, 20 aus Kulanz zu bezahlen, für 30 hätten wir ein TukTuk bekommen (Mickey hat geschickt einen Fahrer runtergehandelt). Das ließ ihn kalt, er wollte mehr und lehnte mein Angebot ab. Wir drehten uns um und liefen förmlich die Treppen runter. Er folgte uns, was wirklich grenzwertig war, es folgte eine Standpauke von mir an ihn, dass er uns gefälligst in Ruhe lassen solle. Ich streckte ihm nochmal die 20 Rupien hin, die er dann nahm. Wäre dann nicht ein Anwohner gekommen und hätte mit ihm geredet, wer weiß was noch passiert wäre. Wir verdufteten schleunigst und hatten ihn endlich los.

Das Fazit daraus: das nächste Mal werden wir drei mal nachfragen und wenn es dann immer noch unklar ist, ob der Fahrer Geld will oder uns for free mitnimmt, lassen wir es lieber sein. Das rate ich auch jedem, der plant, in Indien zu trampen.