Zug

Zugfahren. Mancher liebt es, mancher hasst es. Doch hier in Indien sollte man sich meiner Meinung nach mental sowie physisch darauf einstellen. Geht ausgeschlafen und gut genährt in die Fahrt, das ist eine gute Grundvoraussetzung für eine gute Fahrt.

 

Ich erläutere hier ein paar Tickettypen, die ich ausprobiert habe:

Das komfortabelste war dabei die Sleeping Class, die, wie der Name schon sagt, bei rechtzeitigem Buchen einen Schlafplatz auf einer mittelharten Britsche garantiert. Natürlich liegt der Schlafkomfort weit unter dem eines Bettes, aber das ist denke ich selbsterklärend. Diese Art von Ticket habe ich bisher nur einmal genießen dürfen, allerdings sollte man sich so breit wie möglich machen, wenn man keine ungebetenen Sitzgäste auf der Britsche haben möchte. In meinem Fall habe ich leider genau zum falschen Moment die Beine angezogen, nämlich genau dann, als eine Horde von orange gekleideten Pilgern den Zug stürmten und diesen gewissermaßen einnahmen.

Sleeperclass

Eine Klasse darunter liegt die Second Class, die sich je nach Tageszeit stark unterscheidet. Diese habe ich bisweilen drei mal erleben dürfen, man bucht einfach ein General Ticket und sucht sich einen Platz. Das erste Mal fand ich flott einen Platz und der Wagon war nicht überfüllt, was die Fahrt angenehm gestaltete. Das zweite Mal buchte mein Host mir ein Ticket und ich hatte sogar eine bestätigte Sitzplatznummer. Dieser Wagon unterschied sich aber optisch auch von der mir bekannten Second Class, vielleicht lag es daran, dass es ein Daytrip war und der Zug frühmorgens startete. Die dritte Erfahrung war bisher die heftigste. Von Jaipur nach Delhi habe ich ein General Ticket gekauft und bin gerade so noch in den Zug gekommen, so voll war er. Ich musste natürlich stehen, was sonst? Es war brechend voll, so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich konnte meine Füße ungelogen maximal 2cm bewegen, bevor ich dem nächsten Mitfahrer auf den Fuß trat. Nach einer Weile haben sie mir dann einen Platz angeboten, ich habe mich dann dankend zwischen 5 andere Leute gequetscht, die Sitzbank war ursprünglich für 3 gemacht (Laut Sitzplatzausschilderung). Nach den wohl längsten 7h meines Lebens erreichte ich dann endlich Delhi und war heilfroh, den Zug wieder verlassen zu können.

farbiger Zug - eine Seltenheit

Beim Waiting Ticket handelt es sich um eine Fahrkarte, die den Fahrgast berechtigt, den Zug zu betreten(sofern er schnell genug ist), allerdings ohne Sitzplatz. Es kann durchaus vorkommen, dass man auch gar nicht erst in den Zug reinkommt, da

er zu voll ist. Das einzige Mal, als ich ein solches Ticket hatte, war dieses zum Glück ein Waiting Ticket für die Sleeping Class. Ich setzte mich in den Wagon und hielt mich bereit, falls jemand den Platz gebucht hatte und ich ihn räumen müsste. Es kam aber nur ein Officer, der meinte, ich könne getrost sitzen bleiben, ich sei sein Gast. Sehr zuvorkommend von ihm, ich schätzte diese Geste sehr. Dann hat er sich sogar direkt um mich bemüht und ist zum Ticketkontrolleur gegangen, um mein Ticket confirmen zu lassen, was soviel bedeutet, dass ich einen Platz bekomme. Ich habe mir dann mit Mickey im obersten Bett die Matratze geteilt, das war im Vergleich zur Alternative Boden ein Luxus. Nach drei Stunden allerdings kam dann eine Familie, die unter anderem unseren Platz gebucht hatte. Somit mussten wir den Platz räumen. Der Ticketkontrolleur hat uns dann einen anderen Platz im gleichen Zugabteil zugesichert, eine Stunde Wartezeit, bis dieser frei wird.

Währenddessen hat Mickey einen Schlafplatz neben einem Mädchen im untersten Bett angeboten bekommen und ich neben einem korpulenten Herren. Wir beide nahmen das Angebot dankend wahr, doch ich stoppte das ganze nach einer Weile, als mir klar wurde, dass der Mann diverse Interessen hatte. Immer und immer wieder tippt er mich an und bietet mir an, sich wieder zu ihm zu legen, während ich diesen Text hier tippe.

Eine Gute Nacht euch allen da draußen :)